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Folgender Artikel ist entnommen aus dem Presse Archiv von OpenPR (http://www.openpr.de):

Werden Thrombosen in Deutschland zu kurz behandelt?

Thrombosen haben nichts von ihrer GefĂ€hrlichkeit verloren. Akut droht das Gerinnsel zu wachsen und die Beinvenen komplett zu verschließen. Wandert der Thrombus in die Lunge, entsteht die lebensgefĂ€hrliche Lungenembolie. 25000 Tote pro Jahr zeichnen ein erschreckendes Bild. Die Therapie erfuhr in den letzten Jahren einen dramatischen Wechsel. Noch vor kurzem kam der Patient sofort auf die Intensivstation, musste streng liegen, selbst der Gang zur Toilette war verboten. Heute soll der Patient sogar herum laufen. Patienten erlitten eine tödliche Lungenembolie weil sie gelegen haben, denn Liegen erhöht das Thromboserisiko ungemein. Weiter bekommt der Patient heute Heparin, damit keine neuen Gerinnsel auftreten, Marcumar zur Vorbeugung und einen Kompressionsverband, höchstens einmal am Tag und maximal 5-10 Tage!

So empfehlen es die Leitlinien der verschiedenen Fachgesellschaften, so wird's gemacht und die Krankenkassen wollen auch nicht mehr bezahlen.
Die Beseitigung des Thrombus steht nicht mehr im Vordergrund, er wird praktisch seinem natĂŒrlichen Verlauf ĂŒberlassen. FrĂŒher wurde operiert, um das Gerinnsel zu entfernen, aber man bekam so wie so nicht alles raus. Oder man gab Medikamente zur Auflösung. Einig ist man sich jedoch, je mehr Thrombusmaterial in den Beinvenen verbleibt, um so grĂ¶ĂŸer die Gefahr SpĂ€tschĂ€den bis zum gefĂŒrchteten Offenen Bein zu bekommen.

Nun wollten wir in unserer Klinik wissen, was passiert mit dem Thrombus, wenn man intensiver und vor allem lĂ€nger die Kompression anwendet? Jeder Thrombosepatient erhielt sofort, neben der empfohlenen Dosis Heparin, fĂŒr 30 Tage 3x tĂ€glich sehr fest sitzende KompressionsverbĂ€nde, denn jedes Bein wird sofort dĂŒnner unter dieser Therapie, so dass die VerbĂ€nde nachgezogen werden mĂŒssen. ZusĂ€tzlich wurde mit einem GerĂ€t zur pneumatischen Kompression, wir nennen es die Bochumer Venenhose, eine sanfte Luftdruckwelle ĂŒber das Bein gelegt. Jeder Patient musste viel Laufen, keiner wurde ins Bett gelegt. Die Ergebnisse ĂŒberraschten! Bei keinem einzigen Patienten kam es zu einem Thrombuswachstum. War die Thrombose frisch, konnte alles Gerinnsel entfernt werden! In keinem Falle war der Thrombus schon nach 10-14 Tagen beseitigt! Es trat keine Lungenembolie und kein Todesfall auf. Aber auch bei einer ca. 8 Monate alten Thrombose konnten die Beinvenen wieder eröffnet werden und der Patient hat wieder einen besseren Abfluss des Blutes aus dem Bein.
Es bleibt die Frage, behandeln wir Thrombosen zu kurz?
Die BeschrĂ€nkung auf die nur medikamentöse Therapie hat die physikalischen Maßnahmen vernachlĂ€ssigt. Der Patient mit persistierenden VerschlĂŒssen in den Beinvenen hat oft unertrĂ€gliche Schmerzen, Schwellungen, Spannungen, spĂ€ter Juckreiz, HautschĂ€den bis zum nicht heilenden BeingeschwĂŒr. 150 000 Dollar kostet ein Offenes Bein in einem Patientenleben nach einer amerikanischen Studie.
Unsere Therapie setzt natĂŒrlich ein Behandlungskonzept rund um die Uhr voraus, an 365 Tagen im Jahr. Aber langfristig dĂŒrfte es billiger sein die Folgen der Thrombose durch deren frĂŒhzeitige Beseitigung zu minimieren.
Warum bekommt der Patient herkömmlich nur einen Verband tĂ€glich, obwohl die Beine sofort abschwellen und der Verband unwirksam wird? Warum hört man nach 5-10 Tagen damit auf, wenn man weiss, dass Blutgerinnsel lĂ€nger brauchen zur Auflösung. Prof. H. Kiesewetter, einer der fĂŒhrenden Blutgerinnungsexperten in Deutschland glaubt sogar, dass wahrscheinlich noch lĂ€nger behandelt werden muss.

Es bleibt spannend, denn oberstes Ziel muss es in der Behandlung der Thrombose sein, Gerinnsel zu beseitigen. Und das geht um so besser, je frĂŒher und intensiver damit begonnen wird. Und wahrscheinlich auch lĂ€nger. Denn in keinem Fall kam es zu einer Befundverschlechterung.
Eine Thrombose gilt als alt und nicht mehr behandelbar nach ca. 10-14 Tagen. Diese stimmt ganz offensichtlich nicht. 30 Tage 3x tĂ€glich wickeln bei gleichzeitiger DurchfĂŒhrung der pneumatischen Kompression haben jeden Thrombus verkleinert und z. T. völlig beseitigt.

Klinik am Ruhrpark, 31.08.2010


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